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2025-2026

Introvert

TypologieHotel
StandortLondon, UK
Jahr2025-26
ModulEntwerfen
ProfessurProf.in Marianne Müller AA.,
Dana Andronescu M.Sc.

Das “Introvert” untersucht das Potenzial von Dunkelheit als architektonisches Entwurfsprinzip im Kontext einer hochgradig überstimulierenden urbanen Umgebung. Ausgangspunkt ist ein bestehendes Parkhaus auf einer Verkehrsinsel in Shoreditch, London, einem Ort, der durch Sichtbarkeit, Aktivierung und permanente Reizdichte geprägt ist.

Während das Umfeld durch Helligkeit, Bewegung und öffentliche Präsenz bestimmt wird, entwickelt der Entwurf eine bewusste Gegenposition: die Transformation des Bestands in ein introvertiertes Hotel, das sich nicht über maximale Offenheit, sondern über kontrollierte Filterung und räumliche Reduktion definiert.

Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, wie Licht nicht als dominantes Element, sondern als gefiltertes, gerichtetes und atmosphärisches Medium eingesetzt werden kann. Durch gezielte Subtraktion im Bestand entsteht ein vertikaler Lichtraum, der Tiefe, Ruhe und zeitliche Veränderung erfahrbar macht.

Renderaußen
Rendering

Das bestehende Parkhaus in Shoreditch bildet den Ausgangspunkt des Entwurfs. Der Bau ist geprägt von einer rauen, offenen Struktur aus Beton und einer Fassade, die heute weitgehend von Graffitis und spontanen künstlerischen Eingriffen überzogen ist. Diese informelle Aneignung spiegelt den kulturellen Charakter des Viertels wider, das für seine urbane Kunst- und Subkultur bekannt ist. In diesem Spannungsfeld zwischen funktionaler Infrastruktur und kultureller Ausdrucksfläche wird das Parkhaus zum Subjekt der Transformation. Der Entwurf versteht den Bestand nicht als zu ersetzende Struktur, sondern als räumliches Gerüst, das durch gezielte Eingriffe neu interpretiert und in eine andere architektonische und atmosphärische Nutzung überführt wird.

Bestandsaufnahme Straße
Bestandsaufnahme_Straße
Bestandsaufnahme Autoaufzug
Bestandsaufnahme_Autoaufzug
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Shoreditch
Schnitt

Durch die Subtraktion eines konischen Volumens aus den bestehenden Geschossebenen entsteht im Zentrum des Gebäudes ein großzügiger, mehrgeschossiger Luftraum, der den Lobbybereich räumlich prägt und dem Inneren eine klare vertikale Orientierung verleiht. Die konische Form verstärkt die räumliche Tiefe und bündelt die Wahrnehmung des Raumes über mehrere Ebenen hinweg. Entlang der oberen Geschosse führen schmale Gehstege zu den Hotelzimmern und begleiten den Luftraum als umlaufende Erschließung. Von diesen Wegen aus eröffnen sich gezielte Blickbeziehungen in den darunterliegenden Raum, wodurch die vertikale Dimension des Gebäudes auch aus der Bewegung heraus erfahrbar wird und eine besondere räumliche Spannung zwischen Nähe, Distanz und Perspektive entsteht.

Schnitt
Schnitt
Schatten

Der Entwurf reagiert auf die dichte und vielfältige Struktur von Shoreditch, einem Stadtteil, der von kreativer Nutzung, urbaner Verdichtung und einer lebendigen Straßenkultur geprägt ist. Innerhalb dieses dynamischen Umfelds setzt das Projekt bewusst einen ruhigeren, introvertierten Gegenpol. Während die äußere Erscheinung zurückhaltend auf die bestehende Bebauung reagiert, entfaltet sich das räumliche Konzept vor allem im Inneren. So entsteht ein Rückzugsort innerhalb des urbanen Gefüges, der sich in die Struktur des Viertels einfügt und zugleich Raum für Konzentration und Abschirmung vom intensiven Stadtleben schafft.

Schatten
Stadtgefüge